Mittelmeerkrankheiten

Mittelmeerkrankheiten sind ein Schreckgespenst für viele Hundebesitzer, doch die wenigsten wissen genau darüber Bescheid. Im Internet findet man die unterschiedlichsten Meinungen über sie – von „Tierseuche“ über „Nicht schlimmer als eine Erkältung“ ist alles dabei.

Wir wollen die Krankheiten weder verteufeln noch verharmlosen – es sind Infektionskrankheiten, die professioneller Behandlung bedürfen.

Hunde reagieren je nach Konstituion, Alter und Zeitdauer der Erkrankung unterschiedlich auf sie, doch die meisten Mittelmeerkrankheiten sind – werden sie rechtzeitig erkannt – heilbar und ihre Behandlung ist einfach und mit akzeptablem finanziellen Aufwand verbunden. Leishmaniose bleibt als einzige Mittelmeerkrankheit unheilbar – richtig eingestellt kann ein Hund aber auch mit dieser Erkrankung alt werden.


Wir möchten Ihnen hier einen kleinen Überblick über die Mittelmeerkrankheiten, ihre Symptome und Heilungschancen geben. Bitte wenden Sie sich, sollten Sie mehr erfahren wollen, an professionelle Stellen, die Erfahrung mit diesen Erkrankungen haben.


Dies können Tierärzte oder Tierkliniken sein, die sich besonders auf Mittelmeerkrankheiten spezialisiert haben. Da die Mittelmeerkrankheiten in Deutschland selten erworben werden sondern meist von Tieren aus dem Ausland eingeführt werden, haben viele deutsche Tierärzte wenig Erfahrung im Umgang mit ihnen. Fragen Sie daher gezielt nach dem Erfahrungsschatz der jeweiligen Praxis/Klinik nach!


Leishmaniose

Die Krankheitserreger der Leishmaniose werden von Sandmücken übertragen. Leishmanien sind winzige einzellige Parasiten. Die Inkubationszeit kann mehrere Monate oder Jahre betragen, deswegen werden Krankheitszeichen oft nicht mit einem Urlaubsaufenthalt in Zusammenhang gebracht. Im Mittelmeerraum sind bis zu 67 Prozent der Hunde infiziert. Durch den Import von Hunden aus diesen Gebieten sowie durch Infektionen von Hunden im Urlaub ist die Anzahl der in Deutschland lebenden mit Leishmanien infizierten Hunde Schätzungen zufolge auf 20.000 gestiegen.

Die Symptomatik variiert sehr stark. Verdächtig sind juckende Ekzeme und Haarausfall am Nasenrücken, Ausfransen der Ohren, Brillenbildung um die Augen, Nasenbluten, schnell wachsende Krallen. Unterschieden wird zwischen der Hautleishmaniose und einer systemischen Form, bei der innere Organe wie Leber, Niere und Milz befallen werden.

Das Nachweisverfahren Elisa  bringt ein annähernd aussagekräftiges Ergebnis.


Der direkte Erregernachweis in Knochenmark oder Lymphknoten ist, wenn er positiv ist, die einzig sichere Nachweismethode. Positive Antikörpertests auf Leishmaniose sagen nichts darüber aus, ob wirklich eine Erkrankung vorliegt und wenn ja, in welchem Stadium. Bei negativem AK-Nachweis aber Verdacht auf Leishmaniose sollte ein anderes Nachweisverfahren in Betracht gezogen werden.
Die klassische Behandlung wird je nach Infektionstand mit Allopurinol, Levamisol, Glucantime, Miltefusin, Ketokonazol, Oleyl-PC, Amphotericin B durchgeführt.
Eine vollständige Heilung der Leishmaniose kann auch nach Behandlung bei negativem Test nicht garantiert werden.

Allerdings ist nach neuesten Erkenntnissen (Laboklin) eine dauerhafte Medikation auch bei leicht positivem Test ohne Veränderungen am Blutbild und ohne äußere Krankheitssymptome nicht notwendig.

Der Aufbau eines starken Immunsystem und die Unterstützung des Stoffwechsels hilft einen erneuten Ausbruch zu verhindern. Ebenfalls wichtig ist eine purinarme Ernährung, da der Baustein für die Vermehrung der Leishmanien notwendig ist. Eine Übertragung von Hund auf den Menschen wird in der Literatur ausgeschlossen.

Anmerkung: Wir konnten unseren Leishmaniose-erkrankten Hund Vito von der chemischen Behandlung mit Allopurinol weg bekommen. Um seine Leber zu schonen, wird er nicht mehr geimpft sowie erhält keine chemischen Entwurmungen und Antiparasitaria mehr.
Vito bekommt Kräuter, Vitalpilze und wird mit Purin armen Fleisch gebarft. Durch regelmäßige Blutkontrollen (halbjährlich) werden seine Werte kontrolliert. Bisher hatte er noch keinen Rückfall, bei Bedarf wird mit Allopurinol behandelt.


Babesiose

Die Übertragung erfolgt über die Braune Hundezecke oder die Auwaldzecke, die auch in Deutschland anzutreffen sind Babesien sind Einzeller, die sich in den roten Blutkörperchen des Hundes vermehren und diese zerstören. Die Inkubationszeit beträgt 7 bis 21 Tage.

Eine Infektion muss nicht bedeuten, dass der Hund erkrankt – es gibt viele symptomlose Träger, die zwar infiziert sind, aber nie einen Krankheitsausbruch erleben.

Bei Ausbruch der Krankheit stehen folgende Symptome im Vordergrund:

  • sehr starkes Fieber

  • evtl. dunkler Urin

  • Mattigkeit, Appetitlosigkeit

  • Gewichtsverlust

  • Gelbsucht

  • Vergrößerung von Milz und Leber

  • Nierenversagen

  • gelegentlich epileptische Anfälle

Durch einen Bluttest können Babesien nachgewiesen werden. Eine Behandlung verläuft meist über einen Zeitraum von zwei Wochen, bei denen die Babesien abgetötet werden. Das am häufigsten angewendete Mittel ist Imazol. In der Regel führt eine Behandlung zur vollständigen Ausheilung. Häufig tritt die Babesiose als Doppelinfektion z. B. mit Leishmaniose auf.

Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich.


Ehrlichiose

Die Übertragung erfolgt über die Braune Hundezecke, die weltweit in warmen Klimazonen vorkommt. Häufig tritt die Ehrlichiose gemeinsam mit der Babesiose auf, da beide Erreger von der Zecke übertragen werden. Bei der Ehrlichiose greifen die Einzeller die weißen Blutkörperchen an. Die Inkubationszeit beträgt 7 bis 21 Tage, jedoch kann der Hund infiziert sein, ohne dass die Krankheit ausbricht.

Symptome können sein:

  • Fieberschübe bis 41 Grad Celsius

  • Nasen- und Augenausfluss

  • blasse Schleimhäute

  • geschwollene Lympfknoten

  • zentralnervale Störungen

  • Gelenkentzündungen

  • Durchfall, Erbrechen

  • Blutungsneigungen

  • Später können sich Knochenmarkschäden und chronische Blutarmut einstellen

Der Nachweis gelingt durch einen Bluttest. Ehrlichiose ist durch eine mehrwöchige Antibiotikatherapie ( Imizol, Doxycyclin ) sehr gut heilbar.

Eine Übertragung von dem Hund auf den Menschen ist nicht möglich.


Anaplasmose

Die Anaplasmose wird über den Stich des Holzbocks übertragen, der auch in Deutschland das ganze Jahr über anzuteffen ist und auch hier übertragen werden kann. Anaplasmen sind Bakterien, welche die weißen Blutkörperchen befallen. Die Inkubationszeit beträgt ca. 7 Tage. Jedoch gibt es oft infizierte Hunde, bei denen die Krankheit nicht ausbricht, sogenannte infizierte Träger. Diese bedürfen keinerlei Behandlung.
Die Symptome bei Ausbruch der Krankheit sind denen der Ehrlichiose sehr ähnlich, zusätzlich kann es zu Durchfall, Erbrechen, Gewichtsverlust und Gelenkentzündungen kommen. Die Anaplasmose wird mit Antibiotika über einen Zeitraum von 4 Wochen behandelt.

Eine Übertragung vom Hund auf den Menschen ist unwahrscheinlich.


Dirofilariose – Filarriosis (Herzwürmer)

Filarriosis ist im fortgeschrittenen Stadium eine schlimme Hundekrankheit. Die Infektion erfolgt durch den Stich einer bestimmten Stechmücke.
Die Krankheit wird durch einen Fadenwurm verursacht, der im Herz und in den der Lunge angrenzenden großen Blutgefäßen lebt. Die Fadenwürmer können eine Länge von 15 bis 35 cm erreichen. Der weibliche Fadenwurm setzt Embryonen im Blut ab. Die Stechmücke wird angesteckt, wenn sie sich vom Blut eines verseuchten Hundes nährt. Während der folgenden 10 bis 15 Tage verwandelt sich die Mikrofilarie zweimal in der Stechmücke, bis sie die infektiöse Larvenphase erreicht. Wenn die Stechmücke nun erneut Blut saugt, dringt die Larve durch den Mückenstich in den Körper des Hundes ein. Die Larve braucht etwa 6 Monate, um in die Lungenarterien zu wandern, ihre Geschlechtsareife zu erlangen und Mikrofilarien im Blut abzulagern.

Die Filarienkrankheit verursacht Schäden in den Lungenarterien. Schließlich kann sie auch Herz, Leber und Nieren angreifen. Im fortgeschrittenen Stadium reduzieren sich die Chancen einer vollständigen Genesung, auch wenn durch die Behandlung alle erwachsenen Fadenwürmer aus dem Herz eliminiert werden.
Die Symptome können sein:

  • Appetitlosigkeit

  • Gewichtsverlust

  • chronischer Husten

  • Anämie

  • Gelbsucht

  • dunkelbrauner Urin

  • schnelle Ermüdung

  • Herzinsuffizenz.

Die Infektion kann durch eine Blutuntersuchung, Immunproben, Röntgenaufnahmen des Thorax und EKG festgestellt werden. Die Behandlung beinhaltet die Entfernung der erwachsenen Fadenwürmer durch Verabreichung von Medikamenten zur Ausscheidung der Mikrofilarie.
Hunde, die Symptome von fortgeschrittener Filariosis aufweisen und besonders Hunde, die an Herzinsuffizienz leiden, gehen das Risiko ein, dass nach der Behandlung Komplikationen auftreten können. Die am Hohlvenen-Syndrom leidenden Hunde müssen sofort einem chirugischen Eingriff unterzogen werden, dem anschließend dann die übliche Chemotherapie folgt. Der Tierarzt kann das Risiko bewerten und die zweckmäßigste Behandlung bestimmen.


Giardia llambia (Giardien)

Giardia llambia ist keine typische Mittelmeererkrankung, sondern tritt weltweit auf. Da die Krankheit bei Hunden aus schlechten Haltungsbedingungen öfters auftritt, ist sie auch häufiger bei Hunden aus Tierheimen und Tötungen zu finden. Giardien sind einzellige Dünndarm- Parasiten, die weltweit in feuchtem Milieu, z.B. Wasserpfützen, Abwasser u.ä. zu finden sind. Die Giardiose ist eine weltweit verbreitete Erkrankung des Darmsystems. Hunde infizieren sich, wenn sie verunreinigtes Wasser oder Nahrung zu sich nehmen oder mit dem infiziertem Kot eines erkrankten Hunden in Kontakt kommen.

Die Giardien überleben als sogenannte Zysten im Kot infizierter Hunde bis zu einer Woche, im Boden oder kaltem Wasser bis zu mehreren Wochen.

Symptome können sein:

  • starker, schleimig gelblicher, evtl. blutiger Durchfall, häufig im Wechsel mit normalem Stuhlgang

  • bisweilen Erbrechen

  • Gewichtsverlust

  • Juckreiz

  • Hautentzündungen

  • stumpfes Fell

  • Wachstumsstörungen

Ein Krankheitsausbruch tritt vor allem bei Welpen und geschwächten Hunden auf. Viele gesunde Hunde hier in Deutschland sind symptomlose Ausscheider – sie sind zwar infiziert, ohne erkrankt zu sein, sind aber auch ansteckungsfähig. Durch mangelnde Hygiene im Umgang mit einem erkrankten Hund besteht für den Menschen Gefahr sich zu infizieren. Das Händewaschen nach Kontakt zu Exkrementen ist daher eine der wichtigsten Regeln, die einzuhalten sind.

Die Behandlung erfolgt meist durch eine einmalige Gabe von Mitronidazol. Gelegentlich muss diese Behandlung wiederholt werden. Durch eine besondere Diät während der Behandlungsdauer kann die Heilung unterstützt werden. Bitte fragen Sie einen Tierarzt, der mit der Behandlung Erfahrung hat.